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Als CODA werden Kinder von tauben Erwachsenen bezeichnet. Das Synonym stammt aus dem Englischen „Children of deaf adults“.

Zwei Mitarbeiter der VerbaVoice GmbH gaben mir einen Einblick in ihr Seelenleben als CODA.

Spracherwerb

Kinder die bilingual aufgewachsen sind, kennen die Tatsache, dass viele über die Mehrsprachigkeit erstaunt sind, dabei ist es für einen selbst nichts besonderes. Die Sprachen werden einem in die Wiege gelegt. So ist es auch bei CODAs, deren Muttersprache die Gebärdensprache ist. Je nachdem ob diese eine hörende Bezugspersonen haben, wie zum Beispiel Geschwister, werden Gebärdensprache und Lautsprache gleichzeitig gelernt. In dem Fall, dass die Eltern vorerst die einzigen Bezugspersonen sind, so werden erst die Gebärdensprache und anschließend die Lautsprache erlernt.

Das Angebot der Frühförderung von Lautsprache ist aus diesem Grund sehr wichtig, damit auch Kinder ohne hörende Bezugsperson eine sprachliche Entwicklung ohne Barrieren ermöglicht wird. Es soll vermieden werden, dass ein Sprachdefizit entsteht, und sprachliche Barrieren im Kindergarten oder der Einschulung entgegen gewirkt werden.

Wünschenswert ist es dabei mit gehörlosenkompatiblen Mitarbeitern im Austausch zu stehen, damit sich die gehörlosen Eltern auch austauschen können. Eine bilinguale Erziehung von Früherziehung bis Schule ist in Deutschland jedoch immer noch schwierig. Hierzu gab es eine Petition die sich aktuell in der Einreichungsphase befindet und die Frühförderung fördern soll. Demzufolge sind das Ergebnis und die möglichen Konsequenzen für die Frühförderung der Lautsprache abzuwarten.

Alltagssituation

Die Kindheit mit Schule, Freundschaft und Familie können wie auch bei Nicht-CODAs herzlich, nervig, anstrengend aber auch liebevoll sein. Früher dachten viele einfach, dass das Kind gehörloser Eltern dumm sei. Natürlich stimmt dies nicht, ganz im Gegenteil: CODAs müssen schneller erwachsen und selbstständig werden.

Zwischen der Gehörlosen-Welt und Hörenden-Welt agieren sie bereits seit Kindesbeinen als Dolmetscher, egal ob Arzt- oder Privattermine.

Mich hat interessiert was prägende Ereignisse von CODAs sind, eine CODA Kollegin schilderte mir ein Szenario an das ich vorerst gar nicht gedacht habe. Das Dolmetschen der Serie „Der Denver-Clan“ als 7-Jährige war für sie eine prägende Situation. Sie ermöglichte ihren Eltern eine Teilhabe am Abendprogramm. Ein ständiges Vermitteln zwischen zwei Welten findet statt, und meist sind es die CODAs die den Informationsträger zwischen den zwei Welten verkörpern. Nicht weil sie es müssen, sondern weil sie den Eltern die Teilhabe ermöglichen wollen. Heutzutage ist der Spagat zwischen den zwei Welten mithilfe der digitalen Angebotsvielfalt etwas leichter zu stemmen – Smartphones als ständige Schreibhilfe, E-Mails, Livestreams bzw. Filme in Gebärdensprache oder mit Untertiteln. Die Gesellschaft in Deutschland befindet sich zum Glück langsam in einem kulturellen Wandel, bei dem um die Teilhabe und Barrierefreiheit gekämpft wird. Dennoch ist dieser Wandel leider noch nicht so weit, dass Alltagsgespräche funktionieren. Deher wird die Unterstützung von CODAs benötigt.

Die CODA Community trifft zweimal im Jahr, um sich auszutauschen und Kontakte zu anderen CODAs zu knüpfen. Viele CODAs sind auch in Gehörlosen Vereinen tätig und vernetzten sich mit anderen CODAs. Der Austausch ist vor allem in schwierigen Phasen des Lebens notwendig, sei es die Pubertät, der Einstieg ins Berufsleben und der Beginn des selbstständigen Lebens. Alle Menschen finden ihre Identität im Leben, auf dieser Reise sind der Austausch und das Sammeln von Erfahrungen in einem gleichgesinnten Umfeld unabdingbar.

Erfahrt in Teil II mehr über die Identität der CODAs und die Arbeit in inklusiven bzw. diversen Teams.