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Wie der Spracherwerb und der Alltag von Kindern von gehörlosen Erwachsenen verläuft, habe ich euch im ersten Blogbeitrag vorgestellt. Heute geht es um die Identitätsfindung von CODAs und das Arbeiten in inklusiven Teams.

Identität der CODAs

Oft kann ein Leben zwischen zwei Welten zu einem Identitätsverlust oder einen Identitätszweifel führen. Wo gehört man hin? Wie erging es CODAs im Laufe des Erwachsenwerdens mit ihrer Identität?

In unserem Team arbeiten zwei CODAs. Sie sind sich beide einig: Als Kind lebt man in der Gehörlosen-Welt. Als Teenager erweitert sich das eigene Umfeld und die Hörende-Welt entwickelt sich eher zur eigenen Welt. Als Erwachsener hat das Hinterfragen ein Ende und beide Welten, sowohl Gehörlosen-Welt als auch Hörenden-Welt werden der eigenen Identität zugeschrieben. Doch was ist passiert, um diesen Zwiespalt der Identitäten zu überbrücken?

„Erst bei meiner Einschulung habe ich verstand, dass meine Mutter anders ist. Ich habe mich geschämt.“, erzählt eine Kollegin. Das mit negativen Gefühlen geprägte Identitätsgefühl legte sich erst einige Jahre später. Ein Wiesn-Besuch hatte dabei positiven Einfluss auf die Identitätswahrnehmung. „Mein damaliger Freund gab mir endlich ein Gefühl von Wertschätzung und Bewunderung , als ich mit meiner Schwester aufgrund des erhöhten Lärmpegels gebärdete. Ab da habe ich mich nicht mehr für das „anders sein“ geschämt, sondern war stolz darauf eine besondere Gabe zu haben.“

Ebenso berührt hat mich die Aussage meiner anderen Kollegin: „Als Kind hatte ich Angst vor der Hörenden- Welt, da war alles so fremd und laut.“ Ihr einschlägiges Ereignis, war ihre erste Geburtsfeier zu Hause. Ihre Freundinnen akzeptierten ihre Eltern mit ihrer Gehörlosigkeit. So wie sie waren, ohne Wertung und gaben ihr das Gefühl auch in der Hörenden-Welt heimisch zu sein.

Arbeiten in einem inklusiven Team

Trotz der Findungsphase und dem Schweben zwischen zwei Welten, das Gefühl nicht zu wissen, wo man hingehört, leugnen die meisten CODA ihre Herkunft nicht und stehen hinter ihren Wurzeln.

Manchmal merkt man erst, dass eine Sache fehlt, wenn man sie nicht mehr hat. So könnten unsere CODAs nur schweren Herzens das Arbeiten ohne Kontakt zu Gehörlosen akzeptieren. Die Arbeit in einem inklusiven Team sehen sie als Vorteil. Sie entwickeln ihre Muttersprache weiter und unterstützen die Gleichberechtigung von Menschen mit Hörbehinderung. Was ihnen schwer fällt, ist es nicht zu gebärden oder Hörende und Nicht-Hörende neutral zu behandeln.

Von der Arbeit im inklusiven Team profitieren alle – ob gehörlos, schwerhörig oder hörend!